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Meditationen - Fantasiereisen - Traumreisen

Warum Phantasiereisen?

Vier Grundübungen: Ruhe finden

Phantasiereise: Abschiedsweg

Traumreise: Ort der Geborgenheit!

Phantasie: Brief an dich!

Pendeln zwischen dir und mir!

Traumreise: Mit Herz & Sinn zu dir!

Phantasie: Tempel der Verbundenheit

Traumreise: Mit dir auf der Parkbank

Trauer zulassen - Gedankenchaos strukturieren

Trauer geht ihren Weg
Der Tod eines geliebten Menschen kann einem zurückgebliebenen Menschen die Sinne rauben. Als Trauernder fühlt man sich unvorstellbar verloren, aus der Spur geworfen, wie ein hilfloses Opfer, handlungsunfähig, um Überblick ringend. Diese Verlorenheit ist eine ganz natürliche, selbstverständliche Reaktion auf den Verlust. Die Trauer geht ihren eigenen Weg, geben Sie der Trauer Zeit, drängen Sie nicht, lassen Sie sich nicht drängen. Ihre Trauer darf tief und ergreifend sein und sie darf bleiben, solange und in welcher Form sie möchte. Doch langsam gewinnen Sie wieder die Oberhand über Ihr Leben, über Ihre eigenen Gefühle, über Ihren eigenen Zeitplan.

Dem Chaos Struktur geben
In tiefer Trauer vermischen sich Erinnerungen, Planungen, Bedauern über Verpasstes, unbeantwortbare Fragen, körperlicher Schmerz, Zorn, Wut. Doch Sie sollten sich nicht auf Dauer von diesem Chaos der Gefühle und Gedanken erdrücken lassen. Ziel ist, dass Sie wieder am Leben teilnehmen können, dass Sie nicht "Opfer" bleiben, sondern Ihren Weg gehen. Die Trauer sollte nicht auf Dauer ein "Täter" sein, der Sie erdrückt. Die tiefe Trauer darf ein Begleiter sein und bleiben, der Ihr Leben und die Erinnerung an den geliebten Menschen schließlich bereichert. Um auf diesen heilsamen Weg zu kommen können Meditationen, Phantasiereisen und Affirmationen eine Hilfe sein. Schauen Sie selbst, welche der folgenden Vorschläge Ihnen zusagen und praktizieren Sie im Laufe des Tages hin und wieder die eine oder andere Übung. Sie werden zunehmend innerlich kräftiger werden ohne Ihre Trauer zu verlieren und Ihre innere Verbindung zur vermissten Person wird stärker und inniger und werden. Das Chaos wird zunehmend gehen - die Liebe wird bleiben.

 

Die Übungen bauen aufeinander auf!
Da diese meditativen Übungen und Phantasiereisen aufeinander aufbauen, ist es sinnvoll, zunächst mit Übung Nr. 1 zu beginnen und der Reihe nach fortzufahren, sobald man Erfolge verspürt. Diese Übungen wurden auf der Grundlage der Gestalttherapie von Frank Maibaum für abschiedstrauer.de entwickelt bzw. bearbeitet.

Grundübungen: Zu sich kommen - Ruhe finden

Eine Rose und ein Teelicht auf einem aufgeschlagenen Buch

Eine tröstliche Umgebung kann helfen, zu sich zu kommen.

Grundübung 1: Anspannung versus Entspannung
Man liest oft: Um zur Ruhe zu kommen, sollte man ruhig ein- und ausatmen und den eigenen Atem beobachten. Doch das ist in der Ausnahmesituation, wie die Trauer sie darstellt, nicht leicht. Daher gehen Sie anders vor:
Verstärken Sie Ihre Anspannung; spannen Sie Ihren ganzen Körper bewusst an. Konzentrieren Sie Ihren Blick auf Ihre Anspannung; fühlen Sie diese Anspannung. Beobachten Sie sich und erkennen Sie: "Diese Anspannung ist Ausdruck all meiner Trauer, meines seelischen Schmerzes, all der Gefühle, die der Tod auslöste. Das bin ich, wie ich hier sitze, mit meinem Schmerz und so körperlich angespannt!"
Nun lösen Sie die bewusste Anspannung. Ihre Muskeln schwingen automatisch in Entspannung. Beobachten Sie Ihren Körper; schauen Sie sich in Gedanken an; Sie können dabei die Augen schließen. "Das bin ich, wie ich hier sitze; die Trauer ist da, doch der Körper entspannt sich."
Schauen Sie nun auf Ihren Atem. Atmen Sie durch die Nase tief ein; bis tief in Ihren Bauch, lassen Sie die Luft durch den Mund wieder entweichen. Beobachten Sie nun Ihren Atem; Sie müssen nichts tun, nur beobachten; es geschieht ganz von allein: Es atmet Sie.

Übungen muss man üben!
Die Übungen auf dieser Seite sind im wahrsten Sinne des Wortes "Übungen". Das heißt, dass man sie nicht auf Anhieb beherrscht. Wiederholen Sie die meditativen Übungen. Mit jedem Mal bekommen Sie mehr Routine und Erfolgserlebnisse und erleben heilsame innere Ausgeglichenheit. Da die Übungen aufeinander aufbauen, ist sinnvoll, zunächst mit der Grundübung Nr. 1 zu beginnen.

Grundübung 2: Pendeln zwischen Innen und Außen
Führen Sie im Sitzen die vorhergehende Übung (Anspannung - Entspannung) durch. Schließen Sie die Augen, schauen Sie auf sich, schauen Sie auf jedes Körperteil; fühlen Sie sich noch zu angespannt, so verstärken Sie diese Spannung noch einmal ganz bewusst; betrachten Sie diese Anspannung in allen Körperteilen und lösen Sie diese Anspannung wieder und sehen Sie. "Das bin ich, wie ich hier sitze, gefüllt von tiefer Trauer ist da, doch mein Körper entspannt sich."
Öffnen Sie nun die Augen und betrachten Sie intensiv Ihre Umgebung. Schauen Sie von sich weg! Betrachten Sie Gegenstände im Zimmer oder durchs Fenster. Seien Sie für einen Augenblick ganz bei diese Gegenständen: "Das ist die Welt, die mich umgibt!"
Schließen Sie die Augen wieder und sehen Sie nun wieder nur sich selbst: "Das bin ich, wie ich hier sitze!" Beobachten Sie für einige Augenblicke nur sich selbst, weg von Außen! Dann öffnen Sie die Augen wieder und schauen wieder auf die Umgebung, weg von sich.
Dieses Vorgehen nennt man "Pendeln" bzw. "Schweiftechnik", denn man pendelt bzw. schweift in der Beobachtung hin und her. Dadurch üben Sie, dass die Gefühle und Wahrnehmungen Sie nicht hin- und herwerfen, sondern Sie selbst die Regie über Ihre Sinne übernehmen.

Grundübung 3: Zeit stehen lassen
Führen Sie die Übung 1 "Anspannung - Entspannung" durch. "Wenn Sie mögen fügen Sie auch noch die Übung 2 "Pendeln" direkt an.) "Das bin ich, wie ich hier sitze, gefüllt von tiefer Trauer; doch mein Körper entspannt sich."
Stellen Sie sich nun eine große Uhr vor, die über Ihrem Kopf schwebt. Der Sekundenzeiger der Uhr bewegt sich Sekunde für Sekunde. Betrachten Sie die Uhr! Betrachten Sie den Sekundenzeiger. "Ich betrachte die Uhr; die Zeit schreitet voran." Halten Sie nun mit Ihren Gedanken den Sekundenzeiger an. Betrachten Sie die Uhr mit dem stillstehenden Sekundenzeter. "Ich sehe mich hier sitzen, gefüllt von tiefer Trauer; ich sehe die Uhr, die Zeit steht still; ich habe alle Zeit der Welt; mein Körper entspannt sich." Vielleicht gelingt es Ihnen nicht schon beim ersten Versuch, sich auf die Uhr zu konzentrieren und den Zeiger stillstehen zu lassen; doch mit jedem Mal wird es leichter werden - es ist eine Übung.

Astralreisen
Ich werde im Zusammenhang mit dem Thema Meditation oft gefragt, was Astralreisen sind und ob man auf diese Weise eine Verbindung zum verstorbenen Menschen finden kann. Astralreisen kann man mit "Reisen der Seele" umschreiben. Es ist eine vertiefte Form der Meditation, mit der man nach intensiven, wiederholten Übungen mit seinem Bewusstsein seinen Körper verlässt und "zu den Sternen reist" reist oder wohin man möchte bzw. wohin die Seele führt. So kann man sein Leben aus der Distanz betrachten und auch einer verstorbenen Person sehr nahe kommen. Die Übungen auf dieser Seite sind keine Astralreisen, es sind einfache Phantasiereisen. Solche Übungen der Entspannung und Meditation sind aber eine gute Grundlage für weiterführende Bewusstseinserfahrungen.

Grundübung 4: Offener Vogelkäfig

Zeichnung eines offenen Vogelkäfigs mit Vögeln, die herbei- und wegfliegen

Der Vogelkäfig hilft, zu beobachten, wie Gedanken herbei- und wieder fortfliegen.

Führen Sie zunächst die Übung 1 "Anspannung - Entspannung" durch.
Setzen Sie sich entspannt aber aufrecht auf einen Stuhl. Stellen Sie sich nun einen großen Vogelkäfig vor, der über Ihrem Kopf schwebt. Der Vogelkäfig ist leer, die Türen des Käfigs sind offen. Schauen Sie nun in Gedanken auf sich selbst, wie Sie hier sitzen. Schauen Sie dann wieder auf den leeren Vogelkäfig.
Es gibt Erinnerungen, die Sie in Ihrer Trauer bewegen. Das ist z. B. ein besonders belastender Gedanke / etwas, das Sie bereuen / etwas, dass Sie versäumt haben / etwas über das Sie sich ärgern. Schauen Sie auf den Vogelkäfig und lassen Sie Erinnerungen herbeifliegen, als seien es Vögel. Schauen Sie, welcher Gedanke zunächst angeflogen kommt. Lassen Sie ihn im Vogelkäfig platznehmen, betrachten Sie ihn. Lassen Sie ihn dann wieder davonfliegen. "Das bin ich, wie ich hier sitze, Gedanken kommen und gehen, ich betrachte sie!"
Bleiben Sie in Gedanken beim Vogelkäfig. Es ist Platz für einen nächsten Gedanken oder eine Erinnerung. Vielleicht kommt derselbe Gedanke wieder oder ein weiterer. Lassen Sie auch diesen sich niederlassen, betrachten sie ihn und lassen ihn wieder davonfliegen.
Wenn Sie meinen, es sei nun genug, so schließen Sie den Käfig und betrachten nur sich selbst. "Das bin ich, wie ich hier sitze, ich lasse die Trauer in mir zu, und wende mich wieder der Gegenwart zu. Belastende Gedanken, unbeantwortbare, quälende Fragen sind erst mal hinfort geflogen, bis ich ihnen wieder Raum gebe!"

 

Traumreise zur verstorbenen Person

Ein Weg durch die Heidelandschaft wird von einem Regenbogen überspannt.

Meditativ kann man auf den Weg schauen, den die verstorbene Person geht.

Übung 5: Du gehst nun deinen Weg!
Führen Sie die Übung 1 "Anspannung - Entspannung" durch. Betrachten Sie sich selbst mit verschossenen Augen. Schauen Sie auf Ihre Beine, Ihren Bauch, beobachten Sie Ihren Atem, schauen Sie auf Ihre Schultern, Ihr Gesicht. "Das bin ich, wie ich hier sitze, gefüllt von tiefer Trauer; doch mein Körper entspannt sich."
Sehen Sie nun in Gedanken einen Weg, der in die Ferne geht. Lassen Sie das Bild kommen. Vielleicht ist es Weg durch ein Feld, vielleicht ein Weg gesäumt von Bäumen. Sehen Sie nun einen Regenbogen, der sich in der Ferne über den Weg spannt. Schauen Sie dieses Bild an: "Hier sitze ich; da ist der Weg, der in die Ferne führt; dort, weit hinten spannt sich ein Regenbogen über den Weg. Ich sehe ein Bild des Friedens." Sehen Sie nun, wie die geliebte Person den Weg geht. Vielleicht blickt sie noch einmal zurück, winkt Ihnen zu. Sie winken zurück. Sie geht weiter, Sie blicken ihr nach. Ihr Herz ist schwer, doch Sie wissen: Abschied gehört zum Leben. Vielleicht rufen Sie in Gedanken: "Aufwiedersehn". Sie sehen, dass die geliebte Person in der Ferne kleiner wird, durch den Regenbogen geht und dahinter in der Ferne verschwindet. Sie rufen: "Danke, Aufwiedersehn" und wissen: Abschied gehört zum Leben.

Übung 6: Ort der Geborgenheit
Sie haben die Grundübung Nr. 1 (Anspannen-Entspannen) bereits mehrfach durchgeführt. Lesen Sie nun zunächst die vorherige Übung Nr. 5 "Aufwiedesehn".
Setzen Sie sich und betrachten sich mit verschlossenen Augen - wie es Ihnen aus den vorherigen Übungen bekannt ist. Sehen Sie nun einen Weg, der sich durch Felder oder Wiesen in der Ferne verliert. Betrachten Sie das Bild. Lassen Sie nun einen Regenbogen erscheinen, der sich über den Weg spannt. Sie sehen die geliebte Person den Weg gehen. Sie gehen ihr nach, holen sie ein, gehen an ihrer Seite. Vielleicht nehmen Sie ihre Hand. Sie sehen den Regenbogen vor sich und den Weg, der durch den Regenbogen führt und sich dahinter verliert. Was wird dort sein, jenseits des Regenbogens, jenseits des Weges. Gehen Sie gemeinsam bis zum Regenbogen. Sie verabschieden sich. Lassen Sie die Hand der geliebten Person los. Sehen sie, wie sie weitergeht; Sie blicken ihr nach. Sie wissen, sie geht an einen wunderbaren Ort - einen Ort, an dem Frieden herrscht, alles Leid ein Ende hat. Die geliebte Person wird hier geborgen sein. Was für einen Ort sehen Sie? Schauen Sie selbst! Betrachten Sie den Ort. Sehen sie, wie sie den Ort betritt. Geben Sie ihr noch liebe Wünsche mit auf den Weg. "Mögest du in der Ewigkeit geborgen sein. / Ich bin mit all meinen lieben Gedanken bei dir!" Winken Sie noch einmal. Lassen Sie das Bild verblassen. Schauen Sie auf sich selbst, wie Sie hier sitzen. Strecken und recken Sie sich und öffnen Sie Ihre Augen. "Ich bin hier - die geliebte Person ist dort, geborgen." Zur Vorstellung eines Ortes der Geborgenheit hilft vielleicht die Geschichte über eine wunderbare Insel: Liebe trägt ...

Übung 7: Brief schreiben

Papierblätter mit handgeschriebenem Text und darauf Lilienblüten

Der verstorbenen Person einen Brief schreiben, kann hilfreich sein, sich von belastenden Gedanken zu erleichtern.

Hätten Sie der verstorbenen Person gern noch etwas gesagt? Sie haben das Gefühl, dass es nun zu spät dafür ist! Schreiben Sie das auf, was Sie versäumt haben auszusprechen. Schreiben Sie es mit der Hand, nicht am PC. Ein Blatt einfaches Schreibpapier genügt, doch vielleicht besorgen Sie sich einen edlen Briefbogen, vielleicht echtes Bütten-Papier.
Ziehen sie sich zurück, entspannen Sie sich, seien Sie sich in Gedanken beim verstorbenen Menschen, schreiben Sie nieder, was Sie noch "nachrufen" möchten.
Stecken Sie den Brief in einen Umschlag oder rollen Sie das Blatt und binden Sie es mit einer Schleife. Was tun Sie nun mit dem Brief? Manchmal findet man den Vorschlag, ein solches Schreiben als Flaschenpost auf den Weg zu schicken oder an einem mit Helium gefüllten Ballon in die Wolken schweben zu lassen (wie man es von Ballon-Hochzeitsüberraschungen kennt) - doch nein, tun Sie das so nicht; Sie werden sich sonst immer fragen, wo und in welchen Händen Ihr Brief wohl landete. Geben Sie Ihren "Brief an die verstorbene Person" mit dem Erdwurf bzw. Blumenwurf mit ins Grab oder bedecken Sie ihn am Grab mit Erde oder lassen Sie ihn in einer verschlossenen Schublade und bitten Sie in meditativen Gedanken die verstorbene Person, dort nachzusehen.

Übung 8: Pendeln der Gedanken
Ich habe Ihnen weiter oben (Übung 2) die Methode des Gedankenpendelns vorgestellt. Es ist eine aus der Gestalttherapie bekannte Methode, mit der man die Kontrolle über die eigenen Gedanken gewinnt. In der Übung Nr. 2 sind Ihre Gedanken zwischen der Innenwahrnehmung und Außenwahrnehmung gependelt.
Pendeln Sie nun zwischen sich und dem verstorbenen Menschen: Wie in den vorhergehenden Übungen entspannen Sie sich und schauen zunächst auf sich. Vergessen Sie die Umgebung, sehen Sie sich nur selbst, wie Sie hier sitzen bzw. liegen. "Das bin ich!" (Diese Übung ist auch gut im Liegen durchführbar.) Verlassen Sie sich nun und lassen Sie die Gedanken in die Ferne schweifen, zur Person, die nicht mehr bei Ihnen ist. Seien Sie mit Ihren Gedanken ganz bei dieser Person. Was sehen Sie? Was denken Sie? Was fühlen Sie? "Das bist Du!" verweilen Sie einen Augenblick bei der Person und kehren Sie nun zu sich zurück: "Das bin ich!". Pendeln Sie auf diese Weise einige Male hin und her; achten Sie darauf, jeweils ganz bei sich bzw. ganz bei der geliebten Person zu sein. Zum Abschluss betrachten Sie sich, bewegen sich, strecken sich und öffnen die Augen.

Übung 9: Belastendes wie Steine ablegen

Was mich belastet oder was ich noch mitteilen möchte, kann ich in einen Stein packen und ablegen.

Oftmals belastet eine Erinnerung. Man hat etwas versäumt, z. B. verpasst, sich zu versöhnen, sich zu entschuldigen. Die beste Methode ist, dies in der Phantasie als Phantasiereise zu tun. Doch oft ist ein quälender Gedanke nicht durch eine meditative Aussprache zu lösen. Man hat schon zu Lebzeiten versucht, sich auszusprechen, doch es belastet noch. Dann ist eine gute Möglichkeit, das Belastende gedanklich in einen Rucksack zu packen, die Last noch einmal zu spüren, sie mitzuschleppen und sie dann doch abzulegen. Eine andere Möglichkeit ist, die belastenden Gedanken auf einen Zettel zu schreiben und zu verbrennen. Tun Sie dies in "meditativer Entspannung", sodass die Erfahrung ins Unterbewusste geht.

 

Verbindung zur verstorbenen Person

Ein rotes Herz und eine graue Wolke sind durch ein Band miteinander verknüpft

Unsere Gefühle und Gedanken sind eine Verbindung zum Menschen, der nicht mehr bei uns ist.

Übung 10: Blaues Band - rotes Band
Sie sitzen aufrecht auf einem Stuhl, beide Füße fest auf dem Boden. Sie schließen die Augen, schauen in Gedanken auf sich, sehen Ihre Beine, Ihren Körper, Ihren Kopf. Sie spüren Ihren ganzen Körper, schauen auf Ihren Atem. "Hier sitze ich; ich spüre meine Beine, meinen Po auf dem Stuhl, meinen Buch, Oberkörper, meine Arme, meinen Kopf. Ich beobachte meinen Atem. Ich schaue auf mich."
Nun blicken Sie von sich weg in die Ferne. Lassen Sie das Bild der verstorbenen Person erscheinen. Betrachten Sie die Person. Stellen Sie sich nun vor, dass ein blauer Faden von Ihrer Stirn ausgeht, langsam seinen Weg findet, hin zur Stirn der verstorbenen Person. Der blaue Faden verbindet Sie. Betrachten Sie sich und die andere Person, sehen Sie den blauen Faden, spüren Sie die Verbindung zwischen sich. "Ich bin mit meinen Gedanken ganz bei dir! Unsere Gedanken sind verbunden!" Halten Sie den blauen Faden aufrecht und schicken nun noch zusätzlich einen roten Faden aus Ihrem Herzen - er erreicht das Herz der anderen Person. Sehen Sie die Verbindung Ihrer Gedanken und gleichzeitig die Verbindung Ihrer Herzen. "Ich bin mit meiner Liebe ganz bei dir!" Sie betrachten die Fäden die Sie verbinden. Sie genießen die Verbindung der Gedanken und der Herzen. Ziehen Sie nun den blauen Faden zurück, als ob sie ihn aufwickeln, zu sich. Ziehen Sie dann ebenso den roten Faden. Sehen Sie die verstorbene Person dort in der Ferne, winken sie ihr zu. Schauen Sie nun wieder ganz auf sich. Bewegen Sie Hände, Arme, Beine, strecken Sie sich; öffnen Sie die Augen.

Zu verstorbenen Personen sprechen?
Die ältere Frau spricht viel laut zu ihrem kürzlich verstorbenen Mann. Sie sagt "Guten Morgen", sobald sie erwacht, sagt ihm, wenn sie das Haus verlässt, erzählt ihm, was sie kocht und wie sie den Tag gestalten wird. Auf manche Personen in ihrer Umgebung wirkt das befremdend. "Ist das nicht seltsam", fragen sie mich, "sie spricht zu ihrem Mann, der gar nicht da ist?" "Ist es denn nicht schön und natürlich und gesund", antworte ich, "dass sie auf diese Weise die Verbindung aufrecht erhält?" Und ich verweise auf eine Geschichte, die eine gute Antwort auf diese Frage gibt: Ist es seltsam, in der Ferne den verstorbenen Menschen zu sehen und zu ihm zu sprechen?

Übung 11: Tempel der Verbundenheit
Die vorherige Übung Nr. 10 "Blaues Band - rotes Band" können Sie erweitern, indem sie andere trauernde Personen in Ihre Gedanken einbeziehen. Dann spannen sich die Fäden zunächst zum Netz und bilden dann einem Tempel; es entsteht eine tröstliche, heilsame Verbindung:
Begeben Sie sich in die Übung Nr. 10. Sobald Sie Ihren blauen und roten Faden zum verstorbenen Menschen gespannt haben, behalten Sie dies im Blick und sehen Sie zusätzlich eine weitere Person, die so mit zwei Fäden eine Verbindung zur verstorbenen Person hat. Fügen Sie noch eine trauernde Person hinzu und weitere. Sehen Sie all die blauen und roten Fäden und im Mittelpunkt, an der höchsten Stelle die Person, die nicht mehr bei Ihnen ist. "Wir alle sind mit unseren guten Gedanken und unseren lieben Wünschen bei dir!" Die Fäden leuchten und spannen sich zur Mitte hin, es wirkt wie das Dach eines Tempels. Beim nächsten Mal können Sie diese Übung noch erweitern: Schicken Sie auch von sich aus blaue und rote Fäden zu den anderen trauernden Personen im Kreis. Und sehen Sie, wie auch einzelnen Trauernden mit solchen Fäden verbinden. Dann ist es wirklich ein "Tempel der guten Gedanken, Erinnerungen und Gefühle". Schauen Sie das Bild an; lassen Sie es auf sich wirken.

Übung 12: Begegnung auf einer Parkbank

Eine Parkbank inmitten von Büschen

Eine Bank im Park kann der Ort sein, an dem man die vermisste Person in Gedanken trifft.

Trauernde Hinterbliebene haben oftmals das Gefühl, der verstorbenen Person etwas schuldig geblieben zu sein und so hört man Sätze wie: "Ich hätte mich so gern noch verabschiedet" oder "Ach, hätte ich sie doch noch einmal umarmen können!" oder "Ich wollte ihm noch so viel sagen!" oder "Hätten wir uns doch noch aussprechen können!" oder "Ich wollte ihr noch so viel sagen, jetzt ist es zu spät!". In besonderer Weise heilsam ist es, wenn Sie der Person, der Sie noch etwas sagen möchten, auf einer Phantasiereise begegnen:
Entspannen Sie sich wie Sie es aus den obigen Grundübungen kennen. Reisen Sie nun in Gedanken zu einer Parkbank oder einer Bank auf dem Friedhof bzw. unter einem Baum des Friedwalds. Sehen Sie die Bank. Sehen Sie nun, wie die geliebte Person auf der Bank platznimmt. Setzen Sie sich dazu. Erzählen Sie von Ihrer Liebe, den Anlässen für Ihren Dank und ggf. entschuldigen Sie sich. Möglich ist auch, dass Sie mit einem Gedicht um Verzeihung bitten. Wenn es etwas gibt, das Sie der verstorbenen Person verzeihen können, so sprechen Sie auch dies aus. Verabschieden Sie sich in der Weise, wie Sie es aus vorherigen Übungen kennen und kehren Sie in Ihr Leben zurück.

Ja, die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen und manche Gelegenheit zur Aussprache, oder für eine Entschuldigung, für eine Umarmung oder eine Versöhnung sollte man nutzen, bevor man das Versäumnis bereut. Und doch sollten Sie nun, da der geliebte Mensch von "von Ihnen gegangen" ist, ihm noch Ihre Liebe zurufen, ein Dankeschön auch und ein Verzeih. Das können Sie einfach in Gedanken tun - an jedem Ort und am besten dort, wo Sie ihm besonders nah sind, vielleicht am Grab. Eine wunderbare Geschichte vom ewig kleinen Prinzen zeigt eindringlich, wie man einem verstorbenen Menschen noch etwas zurufen kann.

Bildnachweis:
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