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Liebe trägt auf brausenden Wogen

Vorbemerkung zu dieser Trostgeschichte und Trauerparabel:

Als sich herumsprach, dass die alte, weise Frau, die schon so lange allein mitten zwischen ihren alten Büchern lebte, bald sterben würde, kamen Menschen von nah und fern, um ihr Fragen zu stellen zum richtigen Leben, zum Sterben und danach, was wohl nach diesem Leben kommt. Von ihr erhofften die Suchenden Antworten auf die Fragen, die ihr Herz bewegten. Die alte, weise Frau saß zwischen ihren Geschichtsbüchern und Büchern mit Geschichten, zwischen Büchern mit Gedichten, Büchern mit Sprüchen und Liebesbriefen, Büchern mit Träumen und Visionen.

Die Geschichte:

„Ich liebe sie so sehr, nun ist sie nicht mehr da“, sagte ein Mann. „Ich kann den Schmerz kaum ertragen, gern wäre ich ihr noch nah, gern würde ich noch etwas für sie tun; sie ist doch nun so allein. Immer war ich für sie da!“ Der Blick der alten, weisen Frau, an die diese Worte gerichtet waren, wanderte über ihre Bücher, die sich bis unter die Decke des kleinen Zimmers stapelten.

„Zu allen Zeiten und überall sehe ich Zurückgelassene, die ebensolchen Schmerz fühlen und so gern noch etwas Liebes tun möchten, für den Menschen, um den sie trauern.“ Ihre Gedanken hafteten sich an ein kleines, unscheinbares Büchlein. „So wie in dieser Legende“, sagte sie, „aus dem Legendenschatz der Indianer Nordamerikas. Ich möchte sie dir gern erzählten.

Ein junger Krieger und eine junge Frau waren unsagbar ineinander verliebt. Sie träumten davon, bis ans Ende ihres Lebens Hand in Hand zu gehen. Niemand und Nichts sollte sie jemals trennen. Doch noch bevor sie Hochzeit feiern konnten, erkrankte die Frau plötzlich schwer und starb.

Dieser Verlust raubte dem Mann alle Lebenskraft und besonders quälte ihn der Gedanke, dass nicht nur er so allein war, sondern auch seine Liebste. Er konnte keiner Arbeit mehr nachgehen, konnte sich kaum noch bewegen; es saß da und starrte ins Leere. Das Bild, ihre Seele so ganz allein zu sehen, von ihm verlassen, irgendwo auf dem langen Weg in die Ewigkeit, quälte ihn unsagbar.

Alte Leute im Stamm, die seinen Schmerz sahen, erzählten ihm, dass er einen vergessenen Pfad finden könne, der zu den Seelen der Menschen führt. Wo dieser Pfad beginnt und wo er endet, wussten sie nicht zu sagen, und so ging er einfach los, durch die unwegsame Wildnis.

Als er sich auf den Weg machte, herrschte bitterkalter Winter, es lag tiefer Schnee; doch nach kurzer Wegstrecke begann der Schnee zu schmelzen, die ersten Blumen streckten ihre Köpfe aus dem Boden und schon bald stand die ganze Natur in voller Frühlingspracht. Das zeigte dem Trauernden, dass er auf dem richtigen Weg war. Vor ihm tat sich ein geebneter Pfad auf, den schon viele gegangen waren, dieser führte ihn über Höhen und durch Täler bis an den Rand eines weiten Sees.

In der Ferne erkannte er eine wunderschöne Insel mit blühenden Bäumen; der liebliche Gesang der Vögel drang bis zum ihm. Er entdeckte vor sich verlassene, weiße Steinkanus. Er setzte sich in eines, um zur Insel zu rudern und es trug ihn, obwohl aus Stein, doch auf dem Wasser.

Da war plötzlich seine Geliebte in einem Steinkanu neben ihm. Wind kam auf; die Wellen des Sees schlugen höher und höher. Er sah viele weitere Kanus mit Seelen auf dem Weg zur wunderbaren Insel. Etliche Kanus wurden von den brausenden Wogen verschlungen. Nur die Kanus der Kinder blieben verschont und die, die von einem lieben Menschen begleitet wurden. Also erreichten die beiden Liebenden, durch heftige Stürme hindurch, die himmlisch wirkende Insel.

Hier gab es keine Schmerzen, keinen Argwohn, kein Leid, keinen Hunger, keinen Kampf, keinen Krieg. Gern wäre der junge Krieger hier geblieben, im ewigen Frieden. Doch der Wind säuselte ihm zu: Du hast getan, was du konntest; deine Liebe hat sie beschützt und durch alle Stürme an diesen Ort getragen. Nun geh zurück in dein Leben; du wirst erwartet und du hast noch viel zu tun. Eines Tages wird auch für dich die Zeit kommen, da diese Insel deine Heimat wird; dann wirst du all deine Lieben hier wiederfinden und alles wird sein wie heute.

"Nur eine Geschichte", sagte die alte, weise Frau zu dem Trauernden, "nur eine Geschichte konnte ich dir erzählen. Den Schmerz kann ich dir nicht nehmen; ich bin keine Heilerin, ich bin nur eine alte Frau, die in die Geschichten der Menschen blickt. Ich bin nur eine Geschichtenerzählerin.“

"Eine Geschichte", sagte der Mann, "nur eine Geschichte." Er blickte, als ob er aus einem Traum erwache. „In meiner Liebe bin ich ihr ganz nah“, sagte er. „Liebe trägt, trägt auch das, was ohne Liebe in brausenden Wogen versinken würde."

Text: Frank Maibaum / Aus seinem Buch:

Liebe wird sein, Liebe, was sonst!

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