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TRAUERJAHR & TROST 9

So gehe ich durch ein Trauerjahr

Dieser Text zeigt, wie eine trauernde Person ihren eignen Weg sucht, durch ein Trauerjahr zu gehen. Sie findet Möglichkeiten, der verstorbenen Person noch einmal ganz nah sein. Auf diese Weise blickt sie auf das ganze Leben des Verstorbenen, empfindet es nach, sieht ihn nicht nur als alten Menschen, nicht nur in Krankheit und Leid. So entsteht wirkliche Nähe, zu dem Menschen, der nicht mehr da ist.

 

Ein Trauerjahr

Wie gehe ich durch das erste Trauerjahr? Ich werde die bunten Farben nicht zur Seite legen; ich werde sie mein Dunkel erhellen lassen. Ich werde die Feste des Jahres nicht meiden; ich werde meine Seele für ihre heilende Botschaft öffnen. Ich habe meine ganz speziellen Pläne für ein Trauerjahr:

Ich werde mich nicht nur einmal
in aller Frühe auf den Weg machen,
in den Sonnenaufgang wandern,
träumend, mir wüchsen Flügel
und ich flöge in der Morgenröte zu dir.

Ich werde mich nicht nur einmal
im Garten oder am Strand
auf den nackten Boden legen,
mich mit der Erde verbinden,
die dich sanft bedeckt.

Ich werde mich nicht nur einmal
mit ausgebreiteten Armen
dem Himmel entgegenstrecken,
den Segen erbitten,
der auch dich umfängt.

Ich werde nicht nur einmal
durch eine sternenklare Nacht wandern,
die Sternbilder suchen, die Sterne zählen,
mir vorstellen, dass du da geborgen bist
in den Armen des Ewigen.

Ich werde nicht nur einmal
meine Uhren abstellen
für einen ganzen Tag,
die Zeit still stehen lassen
für ungestörte Nähe mit dir.

Ich werde nicht nur einmal
geduldig und liebevoll zuhören,
wenn ein einsamer alter Mensch
seine Lebensgeschichte erzählt,
dabei schauen auf die Wege, die du gingst.

Ich werde nicht nur einmal
Menschen mit den Augen der Liebe betrachten,
so ihre Sehnsüchte erahnen, Hoffnungen,
Enttäuschungen auch und Dankbarkeit,
auf diese Weise sehen, was dich bewegte.

Ich werde nicht nur einmal
mitten im kalten Winter
meine Heizung ausstellen,
frierend die Entbehrungen erahnen,
die dein Leben dir abverlangten.

Ich werde nicht nur einmal
hüpfen, balancieren, rückwärts laufen
mit einer Decke eine Bude bauen,
dich so nicht nur krank und leidend sehen,
sondern auch als glückliches Kind.

Ich werde ein Trauerjahr durchwandern, losziehen, sobald der Abschiedsschmerz nicht mehr lähmt. Der Weg wird nicht geprägt sein von Tränen, nicht durchzogen von Gram und Groll, nicht abseits des Lebens, sondern lebendig mit dir. Wir werden leben, nicht nur einmal!

Text: Frank Maibaum / Aus dem Buch:
"Ich ruf dir meine Liebe zu,
ein Dankeschön und ein Verzeih!"
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